Wer bin ich gerade?

Selbstfindung an einem stillen Abend

Es gibt Tage, an denen ich mir beim Denken zusehe und mich frage, wer diese Person eigentlich ist, die da durch meinen Kopf spaziert. Ich erkenne vertraute Gesten, alte Sätze, Erinnerungsfetzen aus Wohnungen, in denen ich längst nicht mehr lebe – und doch wirkt alles leicht verschoben, als hätte jemand mein Innenleben um ein paar Millimeter verrückt.

Manchmal blättere ich in der Vergangenheit wie in einem zerlesenen Buch und staune darüber, wie überzeugt ich damals von mir war. Heute sitze ich am Fenster, schaue auf eine Straße, die ich „meine“ nenne, und merke, wie brüchig dieses Wort ist. Wie viel von mir steckt in diesen Routinen, in den Tassen auf dem Tisch, im Licht, das jeden Abend dieselbe Wand findet?

Vielleicht ist Selbstfindung weniger ein Ankommen als ein langsames Wiederentdecken, ein leises Wiedererkennen im Vorübergehen. Ein kurzer Moment, in dem ich mir selbst über den Weg laufe und denke: Ach, da bist du also – noch immer, und doch ein wenig anders.

Leave a comment